ARCTIC VOICES ist ein spartenübergreifendes Film-, Kunst- und Kulturfestival, das Indigene Stimmen, Perspektiven und Geschichten aus arktischen Regionen hör- und sichtbar macht. Über vielseitige Formate öffnet das Festival einen gemeinsamen Dialog- und Lernraum, in dem Fragen rund um kulturelle Selbstbestimmung, Traditionen, koloniale Kontinuitäten und Klimagerechtigkeit behandelt werden. Arctic Voices versteht sich als Plattform für Begegnungen zwischen Künstler:innen, Filmschaffenden, Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen und einem breiten Publikum.
Sowohl die arktischen Regionen als auch Indigene Lebenswelten und Perspektiven rücken zunehmend in den Fokus einer global vernetzten Öffentlichkeit. Die Arktis steht exemplarisch für aktuelle Spannungsfelder: geopolitische Interessen, die Erschliessung seltener Erden und anderer Ressourcen, die fortschreitenden Entwicklungen und Folgen des Klimawandels sowie die Aufarbeitung kolonialer Verflechtungen. Gleichzeitig wächst das Interesse an (arktischen) Indigenen Kulturen, Geschichten und Identitäten, oft begleitet von romantisierenden Vorstellungen, medialen Missrepräsentationen und Fragen der kulturellen Aneignung. In diesem Spannungsfeld setzt Arctic Voices an. Das Festival schafft Raum für künstlerische, wissenschaftliche und persönliche Begegnungen, die neue Perspektiven eröffnen und bestehende Bilder hinterfragen.
Das Festival gliedert sich in drei thematische Reihen, die im Rahmen einer regelmässig stattfindenden Projektwerkstatt entwickelt wurden (siehe Seite 5). Ein grundsätzliches Ziel von Arctic Voices ist es, langfristige und nachhaltige Beziehungen zu Arktischen und Indigenen Gemeinschaften aufzubauen. Deshalb ist es wichtig, dass wir für die geplante zweite Ausgabe des Festivals damit beginnen konnten, eine Gruppe von «Cultural Advisors» aufzubauen, die kuratorische Entscheidungen sowie die Programmgestaltung mittragen (siehe Seite 5). Diese Mitgestaltung gewährleistet eine kulturell sensible, partizipative und fachlich fundierte Programmierung.
Diese Reihe lädt dazu ein, bestehende Vorstellungen über Indigene Lebensrealitäten kritisch zu hinterfragen. Sie beleuchtet historische und gegenwärtige Formen der Selbst- und Fremdrepräsentation, insbesondere in Kulturproduktionen. Besondere Aufmerksamkeit gilt mündlich überlieferten Kulturpraktiken wie Inuit Kehlkopfgesang oder dem samischen Joik. Im Zentrum stehen Fragen nach Identität, Ausdruck, Resilienz und kultureller Selbstbestimmung.
Diese Reihe beschäftigt sich mit den Folgen des Klimawandels sowie mit ökologischen, sozialen und politischen Spannungsfeldern in der Arktis. Themen sind Ressourcenextraktivismus, Land-, Wasser- und Luftrechte sowie Indigene Selbstbestimmung und Widerstand. Dabei werden auch vermeintlich «grüne» Transformationsprozesse kritisch betrachtet. Ausgehend von ganzheitlichen Indigenen Weltanschauungen werden Beziehungen zwischen Menschen, Ökosystemen, Atmosphäre sowie – je nach kulturellem Kontext – spirituellen Dimensionen und Ahnenwissen thematisiert.
Diese Reihe behandelt gewaltvolle Erfahrungen und koloniale Kontinuitäten in Vergangenheit und Gegenwart. Sie setzt sich mit Formen individueller und gesellschaftlicher Aufarbeitung, Anerkennung und Verantwortung auseinander, unter anderem durch Wahrheits- und Versöhnungsprozesse. Dabei stellt sie die Frage, wie Erinnern aktiv neu gestaltet werden kann und wie transformative Wege des Zusammenlebens entstehen können. Bezüge zu Schweizer Kontexten – etwa der Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen (FSZM) – schaffen eine Brücke zwischen dem Lokalen und dem Globalen.